29.10.2010
Auf den 44. Internationalen Hofer Filmtagen - einem der beiden großen Festivals in Deutschland - hat unsere Mieterin Nadine Kremeier vom Fundusteam den renommierten Filmpreis in der Kategorie "Bestes Kostümbild" gewonnen.
Wir gratulieren Nadine Kremeier herzlichst!
In der Ausgabe vom 02.11.2010 schrieb die LVZ über Nadine Kremeier und die Alte Strickwarenfabrik:
In der
Mehr Spaß und weniger Kosten im geteilten Büro
Schon drei Co-Working-Projekte in Leipzig
Das Prinzip ist längst vom Carsharing wie beim Leipziger Anbieter Teilauto bekannt. Jetzt schwappt das gemeinsame Nutzen teurer Geräte auch auf den Immobilienmarkt über. In Leipzig sind bereits drei größere Projekte im Entstehen, bei denen Kreative gemeinsam Büroräume nutzen können.
Da auch dieser Trend aus den USA kommt, gilt in der Fachwelt dafür ein englisches Wort: Co-Working, was übersetzt heißt: zusammen arbeiten. „Viele Freiberufler benötigen kein eigenes Büro mit langen Mietverträgen", erklärt Julien Reitzenstein, der ein entsprechendes Seminar im Fachbereich Kulturwirtschaft der Universität Leipzig leitet. „Freie Fotografen, Werber, Lektoren, Web-Designer oder Journalisten arbeiten oft von zu Hause aus. Dort fehlt ihnen aber oft der Austausch mit Kollegen, der Spaß und ein geeigneter Ort, um Kunden zu empfangen."
Eine kostengünstige Lösung des Problems biete das Co-Working. In einem meist größeren Raum arbeiten dabei verschiedene Kreative oder Existenzgründer an ihren jeweiligen Projekten, so Reitzenstein. „Dort finden sie nicht nur Austausch und Kaffee, sondern auch die passende Büro-Infrastruktur. Manchmal ist das nur eine Sofaecke mit Internet-Zugang, an einem anderen Tag benötigen sie einen Schreibtisch oder gleich ein abgeschlossenes Büro. Da viele Kreative einen Großteil ihrer Arbeitszeit außerhalb des Büros verbringen, ist das gemeinsame Nutzen der Technik eigentlich kein Problem."
Bereits im Februar sei im Tapetenwerk an der Lützner Straße ein Co-Working-Raum mit 115 Quadratmetern eröffnet worden, der zurzeit noch vervollkommnet wird. Im Mai folge ein riesiger Raum mit 600 Quadratmetern in der Strickfabrik an der Berliner Straße. Dort kostet ein Arbeitsplatz ab 89 Euro pro Monat. Ringsum haben sich bereits etliche Kreative in festen Büros eingemietet (die LVZ berichtete).
Zudem planen die Betreiber des Unit Medienhaus in Köln, die gerade ein ähnliches Projekt in Berlin fertiggestellt haben, ein weiteres Angebot in der Leipziger Harkortstraße 8. Dort wird gegenwärtig ein Neobarock-Gebäude mit 3000 Quadratmetern Nutzfläche aufwendig saniert. Das Konzept geht hier noch weiter: Durch eine thematische Begrenzung auf bestimmte Medienberufe soll ein Netzwerk unter den Mietern entstehen, das die gemeinsame Bearbeitung größerer Aufträge ermöglicht. Sie können auch einen gemeinsamen Empfangsservice, Besprechungsraum und Intranet nutzen.
Obwohl es in Leipzig
vergleichsweise viele Flächen für die Kreativen gebe, deren Einkommen oft in
krassem Widerspruch zu ihrem Elan stehe, sieht Reitzenstein auch hier einen
echten Markt für das Co-Working. Dies zeige sich schon daran, dass zur nächsten
Musikmesse pop-up Anfang Mai eine Podiumsdiskussion angesetzt sei mit dem Titel
„Meine Miete steigt, also brennt Dein Auto! Kreativwirtschaft, Gentrifizierung
und Stadtplanung". Um kreativ zu arbeiten, brauche es ein entsprechendes
Umfeld. Dies wiederum sei für klassische Immobilieninvestoren nicht attraktiv.
Co-Working könne den Widerspruch lösen.
In der Samstagsausgabe vom 02.01.2010 schrieb die Leipziger Volkszeitung über die Alte Strickfabrik:
Alte Strickwarenfabrik zieht Kreative an
Jens RometschFoto: Wolfgang Zeyen Die Hofansicht der ehemaligen Strickwarenfabrik in der Berliner Straße Leipzig. (Rechts im Bild die Ruine auf dem Nachbargrundstück, die 2010 entfernt wird.)
Als im April 2009 ein Leipziger Familienunternehmen die alte Strickwarenfabrik in der Berliner Straße 65 erwarb, standen die fünf Geschosse weitgehend leer. "Bekannt war dieses Objekt eigentlich nur noch bei Bahnreisenden", sagt Anett Micklich von der Pragmatic Equity AG, die die traditionsreiche Immobilie nun entwickelt. "Wer aus Richtung Norden zum Hauptbahnhof hereinfährt, sieht kurz vor der Wittenberger Straße immer diese riesige, traurige Ruine neben unserem Gebäude, die seit dem Einschlag einer Luftmine im Jahr 1944 unverändert so dasteht."
In der Gründerzeit gehörte das Areal zu einem blühenden Industriegebiet. Als Strickwarenfabrik der Gebrüder Frank wurde zunächst in einer einstöckigen Halle mit Pappdach und Außenabort gearbeitet. Für Letzteres - fünf Toiletten mit Wasserspülung im Hof - mussten die Unternehmer seinerzeit noch ein königlich-sächsisches Privileg beantragen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts folgte ein dreistöckiges Fabrikgebäude: inklusive eines 2000 Quadratmeter großen Kellerlagers unter dem Hof, von dem noch einige Bereiche erhalten sind. Die Straßenbahngesellschaft baute damals nebenan das Depot an der Wittenberger Straße.
In den 1920er-Jahren kam der bis heute stehende Teil mit fünf Vollgeschossen sowie Dachaufbauten hinzu. Mit Aufkommen der Nazi-Herrschaft wurden die jüdischen Eigentümer jedoch gezwungen, ihr florierendes Unternehmen zu verkaufen.
Etliche Bombentreffer 1943 und 1944 ließen von der Strickwarenfabrik nur noch das heutige Gebäude übrig. Zu DDR-Zeiten zog dort unter anderem der VEB Herrenmoden "Korrekt" ein. Schon 1953 gab es Pläne, die benachbarten Ruinen abzureißen. Doch mal war kein Bagger verfügbar, mal kein Kran. Schließlich gab es nach 36 Jahren Planwirtschaft einen neuen Abrisstermin: für Dezember 1989. Aber nach dem Fall der Mauer hatten die Leute wichtigeres zu tun. Ein Bauträger mit Plänen für eine Einkaufspassage ließ später alle Ruinen - außer dem Flügel an der Berliner Straße - entfernen. 1999 ging ihm die Puste aus, das Gebäude geriet in Zwangsverwaltung. Danach blieben nur wenige gute Mieter, die Immobilie verfiel immer mehr.
Die Pragmatic Equity AG hat nun erst mal aufgeräumt und den intakten Teil der Fabrik komplett renoviert, auch die helle Klinkerfassade herausgeputzt. "Wir errichten hier ein Zentrum für die Kreativwirtschaft, Start-up-Firmen, junge Autoren, Werber, Trainer, Verlage", erläutert Micklich. So soll noch diesen Monat eine Schlagzeug-Fabrikation einziehen: der junge Instrumentenbauer wurde durch eine Kooperation mit dem Start-up-Programm Sept der Universität Leipzig vermittelt. Im ehemaligen Privatkontor der Gebrüder Frank zog gerade ein Pressebüro ein. "Im Sommer reißen wir den ruinierten Flügel nebenan weg und gestalten den Hof zur Grünanlage um", so Micklich. "Dann finden die Kreativen bei uns nicht nur einen schönen Ausblick vom Schönefelder Schloss bis zum Völkerschlachtdenkmal, sondern auch eine grüne Oase unweit vom Hauptbahnhof."